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Disput über "Dreadlocks"

Foto: Manfred Bischoff

Die Frage, ob Personen mit weißer Hautfarbe auch "Dreadlocks" tragen können, hat zu einigem Rauschen im deutschen Blätterwald geführt, nachem die "Fridays for Future" Gruppe in Hannover eine Künstlerin und ihre Band für eine ihrer Veranstaltungen ausgeladen hat. Die DJG hat sich hierzu mit einem Leserbrief geäußert. Anlass dafür war ein Kommentar in der FAZ vom 24.03.2022.

Jörg Wenzel von der DJG hat den FAZ Beitrag wie folgt kommentiert:

In seinem Kommentar vom 24.3. nimmt sich Herr Seidl aus Anlass der Kritik von Fridays for Future in Hannover an den Rastalocken einer Musikerin,  die deshalb am Freitag nicht auf die Bühne durfte, die Rastafari-Bewegung Jamaikas mal so richtig vor.

Den Angehörige dieser, aus seiner Sicht " frauenverachtenden und schwulenfeindlichen Pseudoreligion, die ihre Locken von Derwischen, Sadhus und Wikingern übernommen hat" empfiehlt er samt Fridays for Future eine totale Kopfrasur um dann als Skinheads auf ordentlichen Zuwachs mit Seitenscheitel zu warten. Zur Pflege steht er mit Kamm und Föhn bereit!

Auch wenn es schwer fällt, die Darstellung von Herrn Seidl ernst zu nehmen, erinnert sie doch arg an die medialen Feldzüge gegen die "Langhaarigen" der 60 Jahre, so fällt doch auf, wie schnell es mit dem Verständnis für kulturelle Ausdrucksformen aus der 3.Welt vorbei ist, wenn die eigenen Werte in Frage gestellt werden. Die Rastafari-Bewegung entstand in Jamaika im Vorfeld der Unabhängigkeit der Insel 1962 nach jahrhundertelanger britischer Kolonialherrschaft. Gegen das in der Sklaverei auf den Zuckerplantagen brutal durchgesetzte europäische Weltbild propagierten die Rastafari eine Rückbesinnung auf afrikanische Werte. Als Zeichen dieses Protestes tragen Teile der Rastafari-Bewegung die "Dreadlocks", die in Hannover zum Eklat geführt haben. 

Die Deutsch-Jamaikanische Gesellschaft, die sich seit 45 Jahren bemüht, das Verständnis für die Insel hierzulande zu fördern, kann diese Zuspitzung in Hannover nur bedauern. Die Rastafari-Bewegung hat heute weltweite Anerkennung als Teil alternativer gesellschaftspolitischer Entwürfe gefunden, die sich um Umwelt und Zukunft bemühen. Mit alttestamentarischer Pseudoreligion hat das wenig zu tun. Für Jamaikanerinnen und Jamaikaner ist vielmehr der persönliche Respekt in jeder Hinsicht von großer Bedeutung. Bei einer vergleichbaren Veranstaltung in Jamaika wäre ein Auftritt vonFrau Maltzahn deshalb kein Problem!

Aber vielleicht könnten wir uns auf den Satz von Bob Marley (war auch so ein Lockenträger) verständigen: "Let`s get together and feel all right" - wie wär`s Herr Seidl?

Ein vernüftiger Beitrag zu der Thematik war am 25.03.22 in der Süddeutschen Zeitung zu lesen.

Auch bei BuzzFeed.News wurde ein interessanter Artikel zum Thema "Dreadlocks und Kulturelle Aneignung" veröffentlicht