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Deutsch-Jamaikanische-Gesellschaft, e.V.
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01- 2025-11-27 Vorbereitung 3. Transport nach Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_8108
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02- 2025-11-27 Vorbereitung 3. Transport nach Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_8111
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03- 2025-11-30 Black River viereinhalb Wochen nach Melissa © Karl-Olaf Kaiser IMG_8129
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04- 2025-11-30 Black River viereinhalb Wochen nach Melissa © Karl-Olaf Kaiser IMG_8147
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07- 2025-11-30 Black River viereinhalb Wochen nach Melissa © Karl-Olaf Kaiser IMG_8183
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05- 2025-11-30 Black River viereinhalb Wochen nach Melissa © Karl-Olaf Kaiser IMG_8157
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06- 2025-11-30 Black River viereinhalb Wochen nach Melissa © Karl-Olaf Kaiser IMG_8173
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08- 2025-11-30 Black River viereinhalb Wochen nach Melissa © Karl-Olaf Kaiser IMG_8184
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09- 2025-11-30 Black River viereinhalb Wochen nach Melissa © Karl-Olaf Kaiser IMG_8188
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10- 2025-11-30 Black River viereinhalb Wochen nach Melissa © Karl-Olaf Kaiser IMG_8215
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11- 2025-11-30 Seaford Town viereinhalb Wochen nach Melissa © Karl-Olaf Kaiser IMG_8250
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16- 2025-11-30 Individuelle DJG-Hilfe in Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_8264
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17- 2025-11-30 Individuelle DJG-Hilfe in Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_8267
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18- 2025-11-30 Individuelle DJG-Hilfe in Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_8268
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22- 2025-11-30 Individuelle DJG-Hilfe in Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_8291
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23- 2025-11-30 Individuelle DJG-Hilfe in Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_8299

27.11.2025

3. DJG Hilfstransport nach Seaford Town

Die Deutsch-Jamaikanische Gesellschaft e.V. sammelt Geldspenden, um damit Menschen in Jamaika, die vom Hurrikan Melissa betroffen wurden und sich in einer elementaren Notlage befinden, zu helfen.

Ein Vorstandsmitglied der DJG, Karl-Olaf Kaiser, ist vor Ort und koordiniert die Hilfsmaßnahmen. Er schickt uns regelmäßig Berichte und Fotos, die wir hier zeigen können (für die Beiträge, Text und Bilder, liegt das Copyright bei Karl-Olaf Kaiser).

Nachdem am Mittwochabend den 26.11.2025 zwei Kartons der in den USA bestellten Solarlampen abgeholt werden konnten, bedurfte es möglichst zeitnah den nächsten Hilfstransports nach Seaford Town zu realisieren. Zunächst sei dem langjährigen DJG-Mitglied Werner Tröder großer Dank ausgesprochen, denn vor einigen Wochen waren passende – und bezahlbare – Solarlampen in Kingston noch Mangelware. Seine Erfahrung und Engagement haben die Bestellung der Solarlampen vor einigen Wochen in den USA erst ermöglicht. 

Der früheste mir mögliche Liefertermin war nun am Sonntag den 30. November. Insofern hieß es an diesem Tag wieder vor den Hähnen aus dem Bett und so früh wie möglich auf der Straße zu sein. Um die Kosten des Transports gering zu halten wurde kein geländegängiges Mietauto gebucht sondern mein „flaches“ Stadtauto wurde mit wenig Gewicht ins Katastrophengebiet gesteuert. Vor dem üblichen Abzweig nach der Bamboo Avenue bin ich noch weiter ins sehr nahegelegene Black River gefahren. Die Situation ist dort – auch viereinhalb Wochen nach Melissa – nicht anders als apokalyptisch zu beschreiben. Ich kenne das Örtchen seit meiner ersten Reise nach Jamaica im September/Oktober 1992 und war immer wieder dort. Am 30.11.2025 war Black River eine Geisterstadt. Die Hauptstraße war am Sonntagmorgen menschenleer. Ein kurzer Spaziergang durch die quasi totenstille Stadt machte mir das Ausmaß der Katastrophe und ihre Zerstörung wieder sehr deutlich. Natürlich sah man den Effekt der ersten Aufräumungsarbeiten und auch die umfassenden Hilfsmaßnahmen waren sichtbar. Aber gleichwohl: Dieses Örtchen muss von Grund auf neu geplant und bebaut werden. Die Urnaturgewalten des Hurrikanwinds und die Hurrikanwasserflut sind mit einer neuen Zeitrechnung verbunden. Nach Melissa ist in Black River nichts wie es vorher war. 

Die Fahrt hoch in die Berge und nach Seaford Town war dann sehr von dem Eindruck aus Black River geprägt. In Seaford Town besuchte ich kurz Christopher Hacker a.k.a. Fadda Chris und seine Familie, was die Stimmung ein wenig hob. Hier waren Fortschritt und Wiederaufbau zu sehen. Der samstägliche Verkauf von „Suckling Pig“ hat seit dem 29.11.2025 wieder begonnen. Wer also immer auch als Tourist*in an diesem Tag im Westen von Jamaica ist, dem sei ein Besuch in Seaford Town ans Herz gelegt. 

Und dennoch: Die schon vor Melissa bestehenden Verhältnisse in Jamaica setzen sich nun fort: Menschen, denen es wirtschaftlich vor Melissa passabel bzw. gut ging, kommen jetzt wieder schneller auf die Füße. Diejenigen, die sich schon vor Melissa z.B. auf „captured Land“ angesiedelt hatten und meist in hölzernen Boardhouses gelebt haben, müssen nun erneut aus dem „Nichts“ etwas machen. Sie bauen, sobald eben finanziell wieder möglich, aus Holz und mit Zinkdach. Und in Westmoreland ist dies Ende 2025 und zum Beginn der Adventszeit für sehr viele Jamaicaner*innen die Realität.

Auch an der Infant School von Seaford Town sind die ersten Aufräumarbeiten in der vergangenen Woche zu einem ersten Abschluß gekommen – das Dach wurde temporär mit Planen abgedeckt. Dies ist sehr wichtig, denn auch am Sonntag kam am Nachmittag ein ca. 30 Minuten dauernder tropischer Regenschauer herunter. Ohne Zeltplane und/oder Dach sind solche Schauer dramatisch. Neben der Infant School wurde am Sonntag ein kleines Zelt der Unicef aufgebaut. Bald können hier die Kleinsten wieder ein wenig betreut werden. Und auch an der eigentlichen Primary School wurde am Sonntag wieder aufgeräumt und gearbeitet – zum Teil im strömenden Regen. 

Ziel dieses 3. Hilfstransport war die Verteilung der 50 Solarlampen an alte Menschen, Familien, alleinerziehende Mütter in Seaford Town. Im Prinzip hätten jede Familie und jedes Haus, die nicht in der glücklichen Lage und seltenen Besitz eines Generators oder ggf. schon von Solarladeelemente und -lampen sind, die Hilfe benötigt. Da die Menge an DJG-Solarlampen aber eben nicht vorhanden war, wurden die Lampen anhand der Abstimmung mit dem Pastor Father Morris sowie von Fitzroy Chambers verteilt. Zur Vorstellung: Ein Generator im lokalen Laden kostet ca. 200.000 JMD, d.h. ca. 1.050 €. Sehr, sehr viel Geld, wenn wenig die Norm ist. 

Jede und jeder der Personen, die eine Solarlampe bekommen konnten, war überglücklich. Der Dank war bei jeder Übergabe zu spüren. Lampen wurden an zahlreiche Familien und Personen abgegeben. Des Weiteren wurde im Shelter in Seaford Town, in dem weiterhin 36 Menschen unterkommen müssen, sechs Solarlampen abgegeben. In einem in der Nähe von Seaford Town liegenden Weiler, Belvedere, wurden ebenfalls sechs Lampen an Familien verteilt. Die individuelle Verteilung der 50 Solarlampen ist natürlich zeitaufwändig und ggf. fragt sich die eine oder der andere „lohnt“ sich das? Ja! Wer seit über vier Wochen Nacht für Nacht im Dunkeln saß für den ist jeder Abend/Nacht mit Licht eine Verbesserung. Und: Es bleibt abzuwarten, wann die fleißigen Mitarbeiter*innen von JPS in diesen Ort – und seine vielen kleine Weiler herum – die Stromversorgung wieder hergestellt haben. Noch in 2025 wäre es bemerkenswert. Daher freuen sich alle diese Menschen über die Hilfe, die Euere Spenden möglich gemacht haben. Dafür Euch vielen Dank aus Seaford Town. In der kommenden Woche sollen weitere Solarlampen aus den USA in Kingston eintreffen. 

Gegen 16:00 Uhr war das Tagwerk in Seaford Town für mich getan und es hieß –glücklicherweise noch bei Tageslicht – ca. vier Stunden zurück nach Kingston zu fahren. 

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2025-11-22 2. DJG-Hilfstransport nach Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_7752
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2025-11-22 Auf dem Weg des 2. DJG-Hilfstransports nach Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_7809
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2025-11-22 Auf dem Weg des 2. DJG-Hilfstransports nach Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_7818
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2025-11-22 Auf dem Weg des 2. DJG-Hilfstransports nach Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_7820
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2025-11-22 2. DJG-Hilfstransport nach Seaford Town, hier Arlo Campbell © Karl-Olaf Kaiser IMG_7904
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2025-11-22 2. DJG-Hilfstransport nach Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_7910
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2025-11-22 2. DJG-Hilfstransport nach Seaford Town, hier Ms. Malcolm © Karl-Olaf Kaiser IMG_7914
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2025-11-22 2. DJG-Hilfstransport nach Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser, hier Haus von Ms. Malcolm IMG_7917
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2025-11-22 2. DJG-Hilfstransport nach Seaford Town © Karl-Olaf Kaiser IMG_7942
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2025-11-22 2. DJG-Hilfstransport nach Seaford Town, auf dem Weg nach Darliston © Karl-Olaf Kaiser IMG_7962
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2025-11-22 2. DJG-Hilfstransport nach Seaford Town, auf dem Weg nach Darliston © Karl-Olaf Kaiser IMG_7967
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2025-11-22 Zerstörte Beaufort Moravian Kirche in Darliston, Est. 24.04.1834 © Karl-Olaf Kaiser IMG_7971
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2025-11-22 Zerstörte Beaufort Moravian Kirche in Darliston, Est. 24.04.1834 © Karl-Olaf Kaiser IMG_7983
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2025-11-22 Zerstörte St. John Anglican Kirche in Darliston, Est. 04.09.1913 © Karl-Olaf Kaiser IMG_7995
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2025-11-22 Zerstörte St. John Anglican Kirche in Darliston, Est. 04.09.1913 © Karl-Olaf Kaiser IMG_7997
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2025-11-22 Zerstörte St. John Anglican Kirche in Darliston, Est. 04.09.1913 © Karl-Olaf Kaiser IMG_8011

22.11.2025

2. DJG Hilfstransport nach Seaford Town

Am Freitag um 15:00 Uhr durfte ich den geländegängigen Leihwagen für die 2. DJG-Hilfslieferung beim Autoverleih übernehmen. Danach hieß es – einigermaßen fix – die von PortundHeine dankenswerterweise pro bono gestalteten DJG- Spendenflyer bei einem Druckservice nahe dem Autoverleih analog auszudrucken. Und dann: Willkommen im Alltag von Kingston: Freitagnachmittag 16:05 Uhr, d.h. Stop and Go im Auto. Für eine Strecke von weniger als 2 km war ich mehr als eine Stunde unterwegs. Insgesamt dauerte der Heimweg mit Pause beim Devon House über drei Stunden. Fix und foxi sowie ziemlich entnervt habe ich dann im Dunkeln das Auto beladen. Nach kurzer Nacht ging es morgens vor Sonnenaufgang Richtung Seaford Town. Nach ca. 2,5 Stunden Fahrt – einer Polizeikontrolle und mit mir gnädigem Polizisten ;-) – bog ich nach einigen Kilometern hinter der Bamboo Avenue und vor Middlequarters von der Hauptstraße ab. Nun noch ca. eine Stunde Autofahrt vor mir. Die Straße führt an den YS Falls vorbei in die – kahlen und herbstlich wirkenden – Berge. Mein Weg führte mich durch Springfield, Pisgah und viele kleine Weiler. In diesem Gebiet hat Melissa wirklich bös gewütet und ein anderer Begriff als Katastrophengebiet fällt mir hierzu nicht ein. Überall zerstörte Häuser – flattened. Menschen, die alles verloren haben. Individuell ist die Situation sicherlich immer sehr differenziert zu betrachten, wie das Bild mit dem massiven Haus im Gegensatz zu dem hölzernen Haus im Hintergrund zeigt. Allen gleich: Kein Strom, also kein Wasser, also kein Telefon, also kein Internet in einem großen Gebiet von Westmoreland, wenn nicht ganz Westmoreland. Samstag den 22. November reden wir über Tag 25 nach Melissa. 

Bei jedem – auch nur kürzesten Stop – strömten Menschen auf mich zu und fragten nach Hilfsgütern, die ich Ihnen überlassen kann. Es tat so unendlich weh diesen Menschen nichts überlassen zu können, denn dann wäre das Auto lange vorher leer gewesen und für die Hilfe in Seaford Town nichts mehr übriggeblieben. Aber leider läßt sich Euch, ohne Fotos, die Situation in dieser Region von Jamaica kaum demonstrieren, d.h. dann eben diese Stops machen zu müssen. Nach vier Stunden war ich dann endlich in Seaford Town angekommen.

Zunächst ging es zur Seaford Town Primary Schule an der an diesem Tag eine große Aufräum- und Säuberungsaktion anstand. Der Vorstand der DJG hatte am Freitag den 21. November beschlossen die Baumaterialien, die für Dachdeckung der Seaford Town Infant School erforderlich sind zu spenden. Dazu mehr in einem anderen Bericht. Nach kurzem Treffen und Abstimmung mit Mr. Jermaine Harvey, dem Chairman des Seaford Town Primary School Boards, und Ms. Vanesha Henry, der Leiterin der Infant School, habe ich diesmal einigen Empfängerinnen und Empfängern die DJG-Hilfspakete persönlich übergeben. Große Hilfe hierbei war Mr. Fitzroy Chambers. 

Gemeinsam ging es in sengender Mittagssonne und schweren Beutel, die gefüllt waren mit Essensdosen, Mehl, Reis, Zucker, und den 4,5 Liter Wasserkanistern einen kleinen Berg hoch, der oberhalb des HEART Vocational Training Centre liegt. Dort trafen wir den 71-jähirgen Arlo Campbell. Er hat sein komplettes Holzhaus inkl. Einrichtung verloren und muss seit dem 28. Oktober bei Nachbarn unterkommen. Der alte Mann ist trotz dieses Schicksalsschlags und seiner verzweifelten Lage gleichwohl positiv gestimmt. Mit großer Freude nimmt er das Hilfspaket, dass er kaum heben kann. Stolz und dankbar möchte er ein Foto von sich gemacht bekommen. Ein weiteres Paket lassen wir für seinen Bruder bei ihm, der gerade nicht anwesend ist. 

Der zweite Besuch galt Ms. Rose. Eine ältere Dame, deren Haus glücklicherweise aus Steinen gebaut ist und die ihr Zuhause nicht durch Melissa verloren hat. Ms. Rose ist bettlägerig und kann von Hilfsgütern die z.B. per Helicopter eingeflogen werden, nicht profitieren. Auch sie ist trotz der schwierigen Lage sehr munter und spricht die aktuelle Nachricht des Unfalls der jamaikanischen Miss World bei der Miss Universe Wahl in Thailand an. Im Hintergrund läuft die ganze Zeit das Radio, was ihr Kontakt zu der Welt da draußen ist. Demgegenüber ginge es ihr doch sehr gut. Eine jamaikanische Perspektive auf das Leben. Was ihr helfen würde, sagte sie, sei eine neue Matratze, die etwas stabiler als ihre alte sei. Auch sie freut sich sehr über das DJG-Hilfspaket. 

Der dritte Besuch führte uns zu Ms. Malcom. Die 91-jährige Dame saß vor ihrem Holzhaus, das erstaunlich gut erhalten ist, und war mit der Wäsche beschäftigt. Sie erzählte mir von den zwei vorherigen Hurrikanen, die Jamaika hart getroffen hatten: 1951 Charlie und 1988 Gilbert. Diese waren nichts zu dem, was sie am 28. Oktober erleben mussten, sagt sie. Diese Aussage vereint alle drei alten Menschen, deren Schicksale doch so unterschiedlich sind. Auch Ms. Malcom möchte ein Erinnerungsfoto „with the young German“ haben.

Aus Zeitgründen konnte ich nur noch einen Besuch schaffen, weil ich später noch nach Darliston in eine Nachbargemeinde von Seaford Town fahren musste. Dort steht eine kleine Wasserfilteranlage, mit deren Hilfe, sich Menschen selber sauberes Trinkwasser herstellen können. Der Aufbau einer solchen Anlage ist ein Projekt, dass die DJG ggf. in Seaford Town unterstützen könnte. 

Unser letzter Besuch führte uns also zu Ms. N. Williams, die in Grasspond in der Nähe von Seaford Town wohnt. Das Haus der dreiköpfigen Familie wurde durch Mellisa komplett vom Berghang geblasen. Glücklicherweise sind auch sie bei Nachbarn untergekommen. Ms. Williams hat eine Herzkrankheit, braucht dringend eine Herz-OP und ist auf Sauerstoffversorgung angewiesen. Vor der eigentlichen Herz-OP benötigt Ms. Williams die „clearance“ ihrer Zähne. Das sollte eigentlich am 29. Oktober in Kingston geschehen. Nun ist der Termin allerdings weg und eine Kommunikation wegen des fehlenden Telefonnetzes nicht möglich. Die große Herausforderung vor Melissa - und umso mehr danach – ist es für sie ausreichend Sauerstoff zur Verfügung zu haben. Die große Sauerstoff-Gasflasche muss hierfür jedes Mal nach Montego Bay und wieder zurück. Pro Strecke bezahlt sie 20.000 JMD an ein gechartertes Taxi (ca. 108,00 €). Die eigentliche Füllung kostet sie ca. 8.000 JMD (ca. 43,00 €). Normalerweise würde sie eine Flasche pro Tag benötigen. Da sie sich das weder finanziell leisten kann und auch eine zweite Ersatzflasche über 100.000 JMD kosten würde, schraubt sie den Sauerstoffbedarf soweit wie möglich herunter und versucht sich kaum zu bewegen. Während wir sprachen zeigte sie mir ihre bläulichen Finger. In der kommenden Woche werde ich in Kingston versuchen für sie aktiv zu werden. 

Am Ende eines langen Tages und nach dem Besuch in Darliston fuhr ich tief bewegt von all diesen Schicksalen nach Kingston zurück. Die Fahrt durch die Nacht von Jamaica war mal wieder nicht angenehm, zu viele, die per se nicht abblenden und gnadenlos mit Fernlicht fahren, zu viele, die leichtfertig und gefährlich überholen, zu viele, die rücksichtslos fahren. Auch das ist Jamaica nach Melissa.

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2025-11-20 Vorbereitung 2. DJG-Transport nach Seaford Town - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7664
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2025-11-20 Vorbereitung 2. DJG-Transport nach Seaford Town - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7666
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2025-11-20 Vorbereitung 2. DJG-Transport nach Seaford Town - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7668
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2025-11-20 Vorbereitung 2. DJG-Transport nach Seaford Town - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7735
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2025-11-20 Vorbereitung 2. DJG-Transport nach Seaford Town - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7665
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2025-11-20 Vorbereitung 2. DJG-Transport nach Seaford Town - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7685
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2025-11-20 Vorbereitung 2. DJG-Transport nach Seaford Town - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7688
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2025-11-20 Vorbereitung 2. DJG-Transport nach Seaford Town - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7691

20.11.2025

Vorbereitung des 2. Hilfstransports nach Seaford Town 20.11.2025

Die Deutsch-Jamaikanische Gesellschaft e.V. sammelt Geldspenden, um damit Menschen in Jamaika, die vom Hurrikan Melissa betroffen wurden und sich in einer elementaren Notlage befinden, zu helfen.
Ein Vorstandsmitglied der DJG, Karl-Olaf Kaiser, ist vor Ort und koordiniert die Hilfsmaßnahmen. Er schickt uns regelmäßig Berichte und Fotos, die wir hier zeigen können (für die Beiträge, Text und Bilder, liegt das Copyright bei Karl-Olaf Kaiser).

Für Samstag, 22.11.25, ist die zweite Hilfslieferung nach Seaford Town geplant - ermöglicht durch Euere Spenden an die Deutsch-Jamaikanische Gesellschaft e.V. Vielen Dank hierfür jeder Spenderin und jedem Spender. 
Hierzu wurden heute anhand der Listen, die letztes Mal in Seaford Town von Betroffenen aufgestellt wurden, entsprechende Waren eingekauft. 
Gegen 12:00 Uhr ging es mit dem Auto von Manor Park im Norden der Stadt durch den Mittagsverkehr Richtung Hafengebiet – am südlichen Rand von Cockburn Gardens, Kingston 11, zum Marcus Garvey Drive. Hier existiert ein Wholesale bei dem man „in einem Rutsch“ eine Menge der gewünschten Waren bekommt. Bei 28°C im Schatten und offenem Fenster ist der Straßenverkehr über die Waltham Park Road ein eigenes Abenteuer, dass sich mit „Jah is standing by my side“ von Tony Rebel meistern läßt.
Im Sampars Cash & Carry kennt man sich beim dritten Besuch inzwischen und glücklicherweise ist es heute nicht so voll. Leider sind nicht alle gewünschten Artikel zu bekommen und es heißt beim Warenkorb zu improvisieren. Spendenmittel ausgeben heißt praktisch: Viel Schlepperei in heißem Wholesalegebäude, Rechnerei und abwägen. Mit Hilfe eines Mitarbeiters werden am Ende zwei große Trolleys mit Hilfsgütern ins Auto gepackt, dass angesichts des Gewichts bedenklich in die Knie geht. Ein Danke-schön-Tipp an den Kollegen, aus eigener Tasche bezahlt, wird mit einem „Nuff respect“ quittiert. Das Leben Post-Melissa ist auch in Kingston noch teurer für die Menschen als vorher geworden. In den Katastrophengebieten trifft es viele nun zusätzlich in der beruflichen Existenz. Heute morgen wird in den Nachrichten von der finalen Geschäftsaufgabe des Mega Mart in Montego Bay berichtet. Überflutungswellen haben zum geschäftlichen Totalverlust des seit 20 Jahren bestehenden Geschäfts geführt: Alleine hier verlieren 160 Menschen ihren Job. Für 160 Familien wird die Lage somit noch prekärer. Vor einigen Tagen war in den Nachrichten von der Hotelschließung der beiden Grand Bahia Hotels zu hören, u.a. in Runaway Bay. Auch dort verlieren viele Menschen ihren Job. U.a. eine Bekannte von mir, die Woche um Woche von Kingston an die Nordküste gependelt ist.
Langsam geht es mit dem schwer schuftenden Auto nun wieder über die Waltham Park Road zurück. Besondere Obacht gilt nun jedem Schlagloch, von denen es am Ende der Regenzeit wahrlich nicht mangelt. Bloß kein Pothole treffen – und womöglich einen Reifenplatzer oder schlimmeres mit dem Auto einfangen. 
Sicher zu Hause angekommen gibt es leider keinen Kollegen und das Entladen des Autos ist der Ersatz des verpassten Morgenruns – es hieß sehr früh am Taxoffice zu sein um die KFZ-Steuer für das nächste Jahr zu bezahlen. Automatische Abbuchung ist ein Luxus, den es in Deutschland hierfür gibt. Die Alltagsrealität in Jamaika sieht hingegen anderes aus. Und reguläres Arbeiten musste ebenfalls vormittags und noch vor der heutigen DJG-Sonderschicht erledigt werden
Alles was ich nicht im Wholesale bekomme habe, muss nun im regulären Supermarkt und Pharmacy in der Nähe gekauft werden, da es zu spät ist um Richtung Downtown zu fahren. Und Zahnpasta ohne Zahnbürste macht wenig Sinn, genauso wie Kerzen ohne Streichhölzer  ;-).
Anschließend bereite ich die Beutel für die zweite DJG-Hilfslieferung vor, die diesmal mit deutlich kleinerem SUV an den Start Richtung Eastern Westmoreland gehen wird. Samstagmorgen -bestenfalls deutlich vor Sonnenaufgang- soll die 3,5 Stunden Fahrt starten, sodass ich gegen 08:30 Uhr im ca. 170 km entfernten Seaford Town ankomme. 
Nun gönne ich mir aber erst mal ein kühles … na ihr wisst es schon: Red Stripe. 
Irie Ites aus Kingston sendet im Namen der DJG 
Karl-Olaf Kaiser 
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2019-09-07 Blick auf Seaford Town Pre-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_0520
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2025-11-09 Blick auf Seaford Town Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7347
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2019-09-07 Roman Catholic Church in Seaford Town Pre-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_0524
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2025-11-09 Roman Catholic Church in Seaford Town Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7325
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2025-11-09 Roman Catholic Church in Seaford Town Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7332
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2025-11-09 Roman Catholic Church in Seaford Town Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7340
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2022-07-17 Primary School Seaford Town Pre-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_8029
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2022-07-17 Primary School Seaford Town Pre-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_8051
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2025-11-09 Primary School Seaford Town Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7283
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2025-11-09 Primary School Seaford Town Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7293
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2022-12-02 Primary School Seaford Town Pre-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_1956
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2025-11-09 Primary School Seaford Town Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7287
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2025-11-09 Seaford Sacred Heart Health Centre Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7260
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2025-11-09 Seaford Sacred Heart Health Centre Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7244
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2025-11-09 Seaford Sacred Heart Health Centre Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7264
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2025-11-09 Seaford Heart Trust Vocational Training Centre Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7267
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2025-11-09 Seaford Heart Trust Vocational Training Centre Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7318
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2025-11-09 Seaford Heart Trust Vocational Training Centre Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7299
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2025-11-09 Seaford Heart Trust Vocational Training Centre Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7326
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2025-11-09 Seaford Heart Trust Vocational Training Centre Past-Melissa - © Karl-Olaf Kaiser IMG_7350

15.11.2025

Aktualisierung 15.11.2025

Elektrischer Strom ist in den betroffenen Gebieten z.Zt. ein Riesenproblem. Häufig gibt es keinen Strom oder nur eine sehr begrenzte Zeit. Wir haben deshalb eine größere Menge an wiederaufladbaren Lampen in den USAbestellt, die nächste Woche nach Jamaika geliefert werden und dann nach Seaford Town gebracht werden sollen.

Nach einem Gespräch mit Christopher Hacker bin ich dann mit Chris Tante, Debbie nach Seaford Town hochgefahren zu den Plätzen, die ich noch aus der Pre-Melissa Zeit kenne: 

Die Primary Schule, in der sie zur Schule gegangen ist, ist in weiten Teilen dem Erdboden gleich gemacht. Dort hatte ich vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft in Kingston sowie dem ifa, Institut für Auslandsbeziehungen e.V. aus Stuttgart, mehrere Vorträge zum Thema "Deutschland in Jamaica gesehen" gehalten und wir hatten mit vielen Menschen aus Seaford Town gemeinsam deutsche Küche und Bier bei schönen Gesprächen genossen. 

Die Schule muss in diesen Teilen des Gebäudes vom Fundament aus auf komplett neu geplant und gebaut werden. Alleine das wird eine lange Zeit in Anspruch nehmen. Für die Zwischenzeit benötigen die Schüler*innen ein brauchbares, wetterfestes Provisorium - wie dutzende andere Schule in der Region. Unmittelbar nach dem Hurrikan -so erzählt es mir Debbie- wurden wohl leider alle Computer, Laptops und elektrisches Equipment aus dem Computerraum gestohlen. Ein kleiner Seitentrakt, in dem der neu eingerichtete Computerraum sowie Küche und Büros waren, macht von außen einen renovierbaren Eindruck. 

Vom eingeschossigen Seaford Town Primary, Infant and Brain Builder Centre stehen noch die hölzernen Außenwände. Das Dach wurde komplett abgetragen - die Unterkonstruktion ist noch sichtbar. Ob sie genutzt werden kann, müssen Fachleute beurteilen. Alle, was sich in den Räumen befindet, ist inzwischen -mehrfach- durchnässt - und liegt weiterhin unaufgeräumt herum. Das Dach dieses Gebäude könnte relativ schnell mit Zeltplanen und/oder Zinkblech geschlossen werden und das Gebäude wieder nutzbar gemacht werden - so zumindest mein Eindruck.

Das Dach vom örtlichen Seaford Sacred Health Center ist ebenfalls großflächig abgetragen. Inwieweit die Situation innerhalb des Gebäudes ist, vermag ich nicht zu beurteilen und es wären nur Mutmaßungen. Sonntag war niemand zugegen und ein Betreten war - zum Glück- nicht möglich. 

Das Gelände des Seaford HEART Trust Vocational Traning Centre, dass 1978 eröffnet und von Geldern der deutschen Misereor aufgebaut wurde, konnte ich nicht begehen, da das Gelände abgesperrt war und ein Security Wache schiebt. Zum Glück. Von außen lassen sich aber auch hier abgedeckte Dächer erkennen. 

Der jetzige (grünfarbige) Shelter, in dem aktuell 36 Personen untergekommen sind, hat kein Dach mehr. Inzwischen ist es oben mit Zeltplanen abgedichtet. Ich kenne das Gebäude aus der Zeit des State of Emergency als temporären Armeeaußenposten. Früher war es mal eine Zeit lang das provisorische Museum des Ortes - als das ursprüngliche Museum wegen Termitenbefalls geschlossen wurde.

Die sehr lange bestehende Roman Catholic Kirche selber ist derzeit offen den Elementen ausgesetzt. Instrumente (Drumset, Trompeten) liegen ungeschützt unter Schutt. Inwieweit die Statik der alten Kirchenmauern eine sichere Weiternutzung ermöglichen wird, bedarf professioneller Expertise und Untersuchung. Die massive Kirchentüre - weggeblasen. Das Dach: Auf dem Friedhof in Einzelteilen verteilt. Der uralte Tamarindbaum am Hang zur Kirche, ein Baum auf den Generationen von Kindern dieser Gemeinde geklettert sind: Entwurzelt. 

Ergebnis: Die Ortsgemeinde Seaford Town und ihre Menschen haben derzeit kein Gebäude des öffentlichen Lebens, das baulich vollständig intakt ist. Alle Gebäude müssen dringend fachgerecht repariert, zum Teil vollständig abgerissen, der Baugrund bereinigt, dann neu geplant sowie aufgebaut werden (inkl. Finanzierung, Projektierung, Ausschreibung etc.). 

Jegliche monetäre Unterstützung der Gemeinde Seaford Town und ihrer Menschen ist sinnvoll. Die Deutsch-Jamaikanische Gesellschaft e.V. wird die Menschen hierbei -soweit uns das die finanziellen Mittel zulassen- in den nächsten Monaten unterstützen. Jede Spende an die DJG und aktive Unterstützung ist herzlich willkommen. 

Viel zu spät in der Nacht sende ich Euch viele Grüße aus Kingston

Karl-Olaf

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01 - 2025-11-09 Übernachtung auf sicherem Gelände - © Karl-Olaf Kaiser
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02 - 2025-11-09 Abfahrt vor entlaubten Hängen und massiver Zerstörung - © Karl-Olaf Kaiser
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03 - 2025-11-09 Fahrt nach Bethel Town - © Karl-Olaf Kaiser
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04 - 2025-11-09 Fahrt nach Bethel Town - © Karl-Olaf Kaiser
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05 - 2025-11-09 Fahrt nach Bethel Town eine ehmals grüne Insel ist kahl - © Karl-Olaf Kaiser
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06 - 2025-11-09 Fahrt nach Bethel Town - allenthalben zerstörte Häuser - © Karl-Olaf Kaiser
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07 - 2025-11-09 Rückseite Polizei Station Bethel Town - © Karl-Olaf Kaiser
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08 - 2025-11-09 Bethel Town Square - © Karl-Olaf Kaiser
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10 - 2025-11-09 1. Verteilung Hilfsgüter in Seaford Town - © Karl-Olaf Kaiser
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11 - 2025-11-09 Erfassen des Bedarfs von benötigten Hilfsgütern in Seaford Town - © Karl-Olaf Kaiser

09.11.2025

Bericht vom 09.11.2025

Unser Mann vor Ort, Karl-Olaf Kaiser, hat uns einen Bericht und Bilder geschickt, die die Situation in Seaford Town illustrieren. Alle Rechte für dieses Material liegen bei K.-O. Kaiser.

Der Anlass meines diesmaligen Besuchs der Gemeinde Seaford Town am Sonntag den 09. November 2025 war leider ein trauriger: Der Hurrikan Melissa hat am 28.10.2025 auch durch diesen Ort den Weg der Zerstörung gesucht. In der gleichen Woche und nach dem Beschluss des DJG-Vorstands wurden an mehreren Tagen für insgesamt 211.000 JMD in Kingston von den eingegangen Spenden Hilfsgüter eingekauft und anschließend gepackt. 

Die größte Herausforderung war ein adäquates Transportfahrzeug für die rauen Straßen dorthin zu bekommen. To cut a long story short: Ein langjähriger Freund, S. Mahfood, hat mir sehr spontan am Samstagmorgen -und zudem kostenlos (abgesehen natürlich vom Benzin)- ein Fahrzeug geliehen. Hierfür möchte ich ihm im Namen der DJG außerordentlich danken.

Nachdem der Pickup ca. 1,5 Stunden später gepackt war und das Spendengut regensicher -und vor zu neugierigen Blicken- durch eine Plane gesichert waren, ging die Reise in Richtung Montego Bay recht spät los. Ab ca. 18:00 Uhr und mit Einsetzen der Dunkelheit gibt es im Katastrophengebiet kein allgemeines Licht mehr, d.h. in mehr als der Hälfte des Landes. Nach nunmehr 12 Tagen des „Landfalls“ von Melissa ist in weiten Teilen der Insel die Stromver-sorgung noch nicht wieder hergestellt. D.h. z.B. für die Straßenbeleuchtung und Ampeln: Fehlanzeige. Glücklicherweise ist der Nordhighway nach Montego Bay inzwischen wieder gut und quasi reibungslos zu befahren. Dort habe ich das Auto mit Hilfsgütern auf dem Grundstück eines Bekannten parken können. Nach kurzer Nacht auf der Rücksitzbank des Autos -und mit wachem Ohr nah an den Hilfsgütern- sollte es am Sonntagmorgen sehr früh weiter nach Seaford Town gehen.

Die Fahrt durch die Sonntagmorgendliche Landschaft hinauf in die Berge war dystopisch. Nur kahle -wie abrasierte- Bäume, kaum intakte Strommasten, die nicht umgeknickt sind. Teil-weise (leicht) überflutete Straßen, die Anzahl der Schlaglöcher so hoch, wie ihre Tiefe. Am Wegesrand und im weiteren Blickfeld, viele vollständig zerstörte Gebäude (auch massive Häuser) - noch mehr geschädigte Häuser. 

Um 09:00 Uhr trifft meine Sicherheitsbegleitung pünktlich an der Polizeistation in Bethel Town ein. Das Dach dieses staatlichen Gebäudes: Größtenteils abgedeckt. Los geht die Fahrt nach Seaford Town. Ich denke mir „Big up!“, weil der Zeitplan steht und man sich manchmal in Jamaica in Geduld üben darf. Soon come – aber nicht heute. Der Weg durch die „bushes“ macht sehr nachdenklich und zollt den vielen fleißigen Händen Respekt ab: Hunderte, wenn nicht tausende Bäume, mussten nach dem Hurrikan auf einer Strecke von mehreren Kilo-metern an zwei Seiten der Straße zersägt und das Material beiseitegeschafft werden. Alleine diese Arbeit muss Tage in Anspruch genommen haben.

Nach der Fahrt durch das sehr zerstörte Lambs River erreichen wir in Seaford Town Christopher Hacker und seine Familie -a.k.a Fadda Chris-, den ich schon einige Jahre kenne. Er ist auch einer der Kontakt- und Vertrauenspersonen der Deutschen Botschaft in Seaford Town (von einigen anderen in diesem Ort). Die Pflanzen seiner Farm, d.h. u.a. Papaya, Kokosnüsse: Komplett zerstört. Sein massives Haus steht zum Glück. Es brummen die Motoren der Generatoren. Die Häuser seiner Tante und Eltern hat es heftiger erwischt. Ge-meinsam haben sie den Hurrikan in seinem Haus verbracht. Natürlich sprechen wir zunächst über den Melissa-Tag. Neu für mich die Erzählungen zum Auge des Hurrikans. Ca. 10 Minuten war es windstill in Seaford Town bevor die brachialen Kräfte des Windes und der Natur -nun von der anderen Seite- den Ort getroffen haben. Auch in Seaford Town wütete der „Tail“ des Sturms sehr, sehr lange und noch Stunden danach, weil sich Melissa so langsam fortbewegt hat. Meiner Erinnerung der Erzählungen sind in Seaford Town und Umgebung drei Todesopfer zu beklagen. Es handelt sich hierbei aber um keine offiziellen Zahlen. 

Nach dem sonntäglichen Gottesdienst der örtlichen Roman Catholic Church, der in einem kleinen Raum und vor ebenso großer Gemeinde stattfand, habe ich mich und die DJG sowie unsere Hilfskation vorgestellt. Die Kirche selber ist ohne Dach. Das DJG-Spendenmaterial wurde treuhänderisch an Father Morris, dem Pfarrer der Gemeinde übergeben, der seit sechs Jahren die kleine Gemeinde leitet. Einige Carepakete bzw. einzelne Hygieneartikel wurden im Anschluss an den Gottesdienst direkt an bedürftige Gemeindemitglieder gegeben. Das rest-liche Spendenmaterial wurde bei Chris Hacker zwischengelagert, sodass es von Father Morris gezielt an diejenigen übergeben wird, die die größte Not leiden oder nicht die Möglichkeit haben sich im Ort zu bewegen. Dies ist in Seaford Town inzwischen gelebte Praxis. 

Im Ort habe ich zudem weitere Ortsgemeindemitglieder über die DJG-Spenden, deren Umfang usw. informiert - es ist also für Transparenz gesorgt. Das Material soll vor allem an die Älteren des Ortes gegeben werden, die sich nicht mehr selber zu den Übergabepunkten von Hilfseinflügen von US-Marines Helikoptern bewegen können. 

Einen solchen Einflug konnte ich am Sonntag zufälligerweise mit eigenen Augen miterleben. Positiv: Es wird extrem viel Material eingeflogen und abgeladen. Fünf bis sechsmal so viel wie wir auf dem Auto hatten. Negativ: Sobald der letzte Soldat sich umdreht und zum Heli gesprintet ist und noch bevor der Hubschrauber abhebt, stürzen sich die Menschen, d.h. die starken und kräftigen Männer -und Frauen-, auf das Material, raffen so viel sie können zusammen und rennen weg. Die ganze Raffaktion dauert vielleicht eine Minute. Am Boden gibt es keinerlei Organisation der Ortsgemeinde, die so etwas verhindert. Und natürlich weiß auch niemand im Ort, wann so ein Heli einfliegt. Es gab wohl schon mehrere Einflüge in den vergangenen Tagen. 

Gegen 15:00 Uhr habe ich dann meine Fahrt durch Dundee, Berkshire, Pisgah den Berg runter an den YS Falls Richtung Kingston angetreten. Auf dem Weg bis zur Hauptstraße nach Santa Cruz in allen kleinen Orten und abseits der öffentlichen medialen Wahrnehmung: Zerstörung an privaten Häusern und öffentlicher Infrastruktur. Allenthalben verzweifelte Menschen. Glücklicherweise sehr oft auch private Hilfskonvois, die Material verteilen. Auf der Straße nach Santa Cruz erste Lichtblicke: Entweder hat der Hurrikan hier nicht gewütet oder die emsigen Teams vom örtlichen Stromversorgung JPS haben neue Strommasten errichtet und Leitungen gezogen. 

Die ca. 4,5 km lange in Jamaica und bei Touristen sehr bekannte Bamboo Avenue: wieder freigeschnitten und passierbar. Eine Ikone des Tourismus ist ein Schatten (ohne selbigen zu bieten) seiner selbst. Aber auch: Die Natur fängt an ersten Stellen zaghaft zu wachsen an. Die Bananenstauden lassen erste kleine Blätter sehen.

Santa Cruz: Alle Parkplätze der Plaza entlang der Hauptstraße sowie selbige bedeckt von einer dünnen Schicht getrockneten Schlamms. Staub allenthalben. An der Straße nach Mandleville: Immer wieder Menschen mit Plakaten: We want help. We need Water.

Gegen 20:30 Uhr bin ich wieder in Kingston. Auto tanken, essen und zur Belohnung des Tages: Ein kühles Red Stripe. Am Ende zu Hause und zurück in einer anderen Welt auf der gleichen Insel: Strom und Internet. Fließend Wasser und eine Dusche. Ein trockenes Bett und Dach über dem Kopf. Hierfür vielen Dank to the Almighty. 

Grüße aus Kingston, Jamaica sendet 

Karl-Olaf

08.11.25


08.11.2025

Mit vereinten Kräften kann die DJG den ersten Transport nach Seaford Town mit DJG Spendenmitteln verzeichnen :-).

Drückt die Daumen, dass der Wagen gut durch den Verkehr kommt und morgen alles mit der organisierten Security klappt. 

Ich melde mich wieder am Sonntag Abend Jamaican time.

07.11.25

Copyright Text und Bilder: Karl-Olaf Kaiser

Bis jetzt habe ich keinen Transport. :...-( Trotz intensiver Versuche ist bisher nichts erfolgreich gewesen - viele warme Worte und Erklärungen warum es nicht geht oder kein telefonsiches Durchkommen zu gesendeten Kontakten oder oder. Ich versuche es an allen Ecken und Enden, wie auch immer die Zeit es zulässt. 

Eine Person hatte mir heute Abend spontan zugesagt -ich war überglücklich- dann hat er wieder zurückgezogen. 

Eine Alternative ist für 120.000 JS einen Wagen inkl Fahrer zu bekommen. Es handelt sich um eine seriöse Quelle aber da diese Kosten nicht im Verhältnis stehen- insofern werde ich diese Option nicht aktivieren. Dann kann ich auch am Montag einen Wagen bei Islandcars mieten und fahre ein/zwei Tage später. Warum ich Sonntag für den besten Tag beim ersten Mal halte, siehe unten. 

Finally habe ich heute spät am Abend um 23:00 Uhr Jamaican time einen wirklich sehr guten, langjährigen  Freund angerufen, dessen Hilfe ich bewußt als -quasi vorletzte Option- gezogen habe. Er will die Nacht drüber schlafen. So let's wait and see. Cross fingers he is willing. 

Ich habe heute 24 packages for "mother with babies" gepackt, d.h. hubbies, handsoap, baby milkpowder, oats, tin food, water, crackers, Zahnbürste - und pasta, women pads, sugar, flour etc. Ihr könnt den Inhalt auf einem der Fotos sehen. Bleach wird natürlich separat übergeben und ist nicht in der eigentlichen Tasche. 

Darüber hinaus haben wir noch den ganzen anderen stuff, der mit auf den Transport kommen kann. Werde ihn dann morgen resp. morgen Abend entsprechend packen. 

Mein Plan ist morgen im Laufe des Tages und nach meniner lecture, sofern ich einen drive bekomme, bei Tageslicht Richtung MoBay zu fahren. Dort bei Anne (oder im Auto auf einem sicheren Grundstück von Anne's Nachbarn, die Nacht verbringen und Sonntag morgen sehr früh Richtung Seaford Town fahren. Möchte gegen 10/11 Uhr im Ort sein um dann - zur Kirche zu fahren, weil ich vermute dort -oder in der Nähe- wird sich die Gemeinde versammeln. Die kirche selber ist wohl stark in Mitleidenschaft gezogen resp. zerstört. Werde ich sehen. Aus diesem Kreis der Gemeinde werde ich sicherlich die Information bekommen, welche Personen im Ort genau unsere Pakete bekommen sollen/am dringensten brauchen. Wenn ich erst einmal zum ersten Mal dort vor Ort gewesen bin, habe ich einen besseren Überblick über die konkrete Lage wegen Anreise und den weiteren Hilfsbedarf. 

Hygieneartikel für die Notstandsgebiete
Karl-Olaf mit der ersten Ladung

06.11.25

November 6, 2025

Die ersten Gelder der großzügigen Spender an die DJG e.V. wurden bereits gestern und heute in den Kauf von Hilfsgüter investiert, die die Menschen im Katastrophengebiet benötigen. Basierend auf den eigenen Erfahrungen aus dem Katastrophengebiet nach Reisen am Tag 1 und 2 nach Melissa sowie der von anderen privaten Teams, die aktuell im Katastrophengebiet waren (u.a. (Savannah-la-Mar, Petersfield/Westmorleand), wurden u.a die Lebensmitteldosen, Mehl, Oats sowie verschiendene Hygieneartikel (Bleach zum desinfizieren von Wasser, Huggies Baby wipes, pads, Toilettenpaper usw.) im Wert von 625,00 € eingekauft. Des weiteren verschieden große Zeltplanen zum Schutz vor Regen und tagsüber vor der heißen Sonne. Morgen werden die Einkäufe fortgesetzt - Wasser und weitere Lebensmittel sowie kleinere Baumaterialien stehen auf der Liste. 

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